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Der Glasfasermarkt steht weiterhin unter Druck: 10 neue Fragen an Maarten Verbunt

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Anfang dieses Jahres sprachen wir mit ihm über die Auswirkungen von Versorgungsengpässen und geopolitischen Spannungen. Nun blicken wir zurück und nach vorne auf die Entwicklungen, die sich seitdem fortgesetzt haben.

Frage 1: In unserem letzten Interview haben wir über die explosionsartig steigende Nachfrage nach Glasfaser gesprochen. Wie hat sich dieser Markt seitdem entwickelt?

Eigentlich haben sich die Erwartungen, die wir damals geäußert haben, voll und ganz erfüllt. Und vielleicht sogar noch stärker als erwartet. Während zu Beginn dieses Jahres noch große Unsicherheit darüber herrschte, wie lange diese Situation andauern würde, zeigt sich nun, dass die Nachfrage strukturell hoch bleibt. Die größten Treiber sind nach wie vor die Kombination aus Verteidigungsanwendungen und KI. Aufgrund der Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten werden enorme Mengen an Glasfaser für die Steuerung von Drohnen verwendet. Gleichzeitig investieren Unternehmen wie AWS (Amazon), Meta, Microsoft und unter anderem Google weiterhin Milliarden in hyperskalierte KI-Rechenzentren. Beide Märkte konkurrieren faktisch um denselben „Rohstoff“: Glasfaser. Dadurch hat sich der Druck auf den Markt nur noch weiter erhöht.

Frage 2: Stimmt es, dass vor allem die A2-Fasern unter Druck stehen?

Sowohl die G.657.A2-Fasern als auch die Standardfasern G.652.D und G.657.A1 sind derzeit knapp. Allerdings stellen wir fest, dass die größte Knappheit derzeit bei den G.657.A2-Fasern herrscht. Das liegt daran, dass gerade diese hochflexiblen Fasern häufig in militärischen Drohnen sowie in hochwertigen, dünnen Patchkabeln und Breakout-Kabeln für Hyperscale-Rechenzentren zum Einsatz kommen. Für diese Fasern werden mittlerweile Premiumpreise gezahlt, wodurch die Verfügbarkeit weiter unter Druck gerät. Gleichzeitig stellen wir fest, dass auch die singlemode und Multimode-Fasern immer schwerer zu beschaffen sind, da die weltweite Nachfrage nach Glasfaser unvermindert hoch bleibt.

Frage 3: Sie haben vorhin von allgemeinen Preissteigerungen gesprochen. Wie sieht dieser Markt heute aus?

Die Preisentwicklung verläuft schneller, als ich vor einigen Monaten erwartet hatte. Während wir zuvor von Glasfaserpreisen zwischen 10 und 15 Dollar pro Faser-Kilometer sprachen, stellen wir inzwischen fest, dass einige, insbesondere chinesische, Hersteller bereits Preise von über 20 Dollar pro Faser-Kilometer verlangen. Glücklicherweise gibt es noch Hersteller, die niedrigere Preise anbieten, aber der Trend ist eindeutig. Und ehrlich gesagt gehe ich nicht davon aus, dass sich dies in nächster Zeit ändern wird.

Frage 4: Woher kommen diese Preissteigerungen?

Dies ist auf eine Kombination verschiedener Faktoren zurückzuführen. Rohstoffe wie Silizium und Germanium sind nach wie vor teuer, während auch die Energiepreise auf einem hohen Niveau bleiben. Zudem wird Helium immer schwerer zu beschaffen. Dieses Gas spielt eine wichtige Rolle bei der kontrollierten Kühlung von Glasfasern im Ziehturm während des Produktionsprozesses, wodurch auch die Heliumknappheit die Produktionskosten weiter in die Höhe treibt. Der wichtigste Grund ist jedoch, dass die verfügbaren Produktionskapazitäten schlichtweg begrenzt sind. Die Hersteller treffen daher immer gezieltere Entscheidungen darüber, für welche Anwendungen sie ihre Glasfasern einsetzen. Dabei beobachten wir, dass Verteidigungsanwendungen und KI-Rechenzentren derzeit oft Vorrang vor dem traditionellen Telekommunikationsmarkt haben.

Frage 5: Hat dich in den letzten Monaten auch etwas überrascht?

Auf jeden Fall. Was mich vielleicht am meisten überrascht hat, ist, dass auch Hersteller, die selbst keine Vorformlinge (die Glaszylinder, die als Grundlage für die Herstellung von Glasfasern dienen) oder Glasfasern produzieren, nun gezwungen sind, ihre Preise anzuheben. Diese Unternehmen beziehen ihre Fasern traditionell von den großen Glasfaserherstellern. Für dieses Jahr hatten viele von ihnen ihre Mengen noch vertraglich vereinbart und damit gesichert, doch gegen Ende des Jahres sehen auch sie sich mit höheren Einkaufspreisen konfrontiert. Daher werden nun auch Patchkabel, Breakout-Kabel und komplette Glasfasersysteme teurer. Das hatte ich Anfang des Jahres ehrlich gesagt noch nicht erwartet.

Frage 6: Welche größten Auswirkungen kannst du derzeit in der Praxis feststellen?

Bei Produkten mit einer oder zwei Fasern sind die Auswirkungen noch relativ begrenzt. Sobald man sich jedoch Kabel mit einer hohen Faseranzahl ansieht – beispielsweise Kabel mit 48, 96, 144 oder sogar 288 Fasern –, macht sich der Preisanstieg fast sofort bemerkbar. Gerade dort steigen die Faserkosten pro Meter enorm an. Preise, die zwei- bis sogar dreimal so hoch sind, sind mittlerweile keine Ausnahme mehr.

Frage 7: Wie entwickelt sich der Markt für die übrigen Rohstoffe?

Die Preise für Rohstoffe wie PE, das häufig für Kabelmäntel und Kunststoffrohre verwendet wird, befinden sich nach wie vor auf einem hohen Niveau, scheinen sich in der letzten Zeit jedoch etwas zu stabilisieren. Dennoch bleibt dieser Markt weiterhin stark vom Ölpreis abhängig. Und dieser Ölpreis ist nach wie vor direkt an die geopolitische Lage im Nahen Osten gekoppelt. Daher gehe ich davon aus, dass auch dieser Markt vorerst volatil bleiben wird.

Frage 8: Du hast bereits zuvor vor längeren Lieferzeiten gewarnt. Ist das inzwischen Realität geworden?

Auf jeden Fall. Wir beobachten, dass sich die Lieferzeiten in manchen Fällen verdoppelt haben. Das hängt nicht nur mit der Produktionskapazität zusammen, sondern auch mit der Logistik. Der Transport aus Asien wird immer komplexer, und Container müssen häufiger alternative Seewege nehmen. Zudem führen geopolitische Spannungen zu Verzögerungen und höheren Transportkosten. Die Verfügbarkeit ist mittlerweile vielleicht sogar eine noch größere Herausforderung als die Preisentwicklung selbst.

Frage 9: Welchen Rat gibst du Organisationen, die in der kommenden Zeit Glasfaserprojekte durchführen?

Warten Sie nicht ab. Gerade jetzt ist es wichtig, viel weiter vorauszuplanen. Betrachten Sie nicht nur die Projekte, die heute laufen, sondern auch diejenigen, die erst in sechs oder zwölf Monaten anlaufen. Nehmen Sie rechtzeitig Kontakt zu Lieferanten und/oder Herstellern auf, treffen Sie Vereinbarungen über Kapazitäten und die langfristige Planung und denken Sie über strategische Lagerbestände nach. Unternehmen, die heute vorausschauend handeln und Kapazitäten sichern, verfügen morgen schlichtweg über eine viel größere Liefersicherheit.

Frage 10: Zum Schluss: Wie sehen Sie die Zukunft? Wann rechnen Sie damit, dass sich der Markt wieder normalisiert?

Das lässt sich natürlich nur sehr schwer vorhersagen. Aber wenn ich mir anschaue, was ich derzeit von den weltweit größten Glasfaserherstellern höre, gehe ich ehrlich gesagt nicht davon aus, dass sich der Markt kurzfristig normalisieren wird. Die Hersteller investieren massiv in zusätzliche Produktionskapazitäten. Daran habe ich keinen Zweifel. Nur dauert der Ausbau der Preform- und Glasfaserproduktion Monate bis hin zu Jahren. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage seitens KI-Rechenzentren und Verteidigungsanwendungen vorerst unvermindert hoch. Meine persönliche Erwartung ist daher, dass wir zumindest bis Mitte 2027 mit einem angespannten Markt zu tun haben werden. Und genau deshalb ist es wichtig, dass Unternehmen bereits jetzt vorausschauend handeln und ihre Lieferkette strategisch organisieren.

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Johannes ist für den Aufbau der deutschen Niederlassung verantwortlich. Mit seiner langjährigen Erfahrung in der Telekommunikationsbranche bringt er fundiertes Fachwissen und ein starkes Netzwerk mit.

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